Mark Minervini legt bei seiner Aktienauswahl vor allem den Fokus auf die Charttechnik. Die Grundvoraussetzungen für seine Trading-Setups sind, dass sich eine Aktie in einem Aufwärtstrend befindet. Damit ist gemeint, dass sie sich über dem gleitenden 50 Tagedurchschnitt (GD) und dem 200 GD befindet, wobei der 50 GD über dem 200 GD liegt. Außerdem achtet Minervini darauf, dass sich eine Aktie in einer Seitwärtskonsolidierung ("base") befindet, bevor sie nach oben ausbricht.
Zusätzlich sind für Minervini eine Abnahme der Volatilität ("volatility contraction pattern") und eine Reduktion des Handelsvolumens ("volume dry up") wichtig, bevor er eine Aktie kauft. Letztlich sollte die Aktie eine möglichst hohe relative Stärke vorweisen, idealerweise von über 90 (gemäß der relative Stärke nach IBD).
Seine Trading-Setups lauten: "Low Cheat", "Cheat", "Handle", "Pullback". Diese habe ich in dem folgenden Artikel näher beschrieben: https://aktien-mag.de/blog/strategien/die-4-tradingtaktiken-vom-us-investing-champion-mark-minervini-im-uberblick/p-109817.
Schauen wir uns drei Aktien an, die aktuell Trading-Setups nach Minervini aufweisen.
NetApp - Der stille Profiteur des KI-Datenhungers mit "Low Cheat"-Setup
NetApp (NTAP) rückt dank der KI-Welle in den Fokus der Anleger. Das 1992 im Silicon Valley gegründete Unternehmen zählt zu den Pionieren der Datenspeicherung.
Das Geschäftsmodell basiert auf intelligenter Dateninfrastruktur für Unternehmen. Wichtigste Umsatzquelle sind All-Flash-Speichersysteme, also besonders schnelle Speicher auf Basis von Flash-Chips. Hinzu kommen Public-Cloud-Dienste, die tief in die Plattformen von Amazon, Microsoft und Google integriert sind. Letztlich gibt es ein Abomodell für Speicher als Dienstleistung mit dem Namen "Keystone".
Aktuell spielt der Markt das folgende Thema: Nach den milliardenschweren Investitionen in Grafikprozessoren rückt die Dateninfrastruktur als nächste Stufe des KI-Booms in den Fokus. Denn KI-Modelle sind nur so gut wie die Daten, auf die sie zugreifen. Unternehmen müssen ihre verstreuten Datenbestände erst ordnen und schnell verfügbar machen, bevor KI produktiv arbeiten kann. Zudem setzen viele Firmen aus Datenschutzgründen auf hybride Lösungen aus eigenem Rechenzentrum und Cloud, genau das Kerngeschäft von NetApp.
Im Wettbewerb steht das Unternehmen vor allem Dell Technologies und Everpure (früher Pur Storage).
Die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen vom 28. Mai 2026 übertrafen die Erwartungen: Der Umsatz stieg um 12 % gegenüber dem Vorjahresquartal auf 1,95 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,43 US-Dollar und damit über der Analystenschätzungen. Für das Geschäftsjahr 2027 stellt das Management einen Umsatz von 7,33 bis 7,58 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Dies entspricht einem Wachstum von ca. 8 %. Zudem wurde das Aktienrückkaufprogramm um eine Milliarde US-Dollar aufgestockt. Diese Zahlen pulverisierten die Märkte. Die Aktie eröffnete mit einem Gap Up von 24 % und schoss im Tagesverlauf um 35 % nach oben.
In Folge der Zahlen hat es Gewinnmitnahmen gegeben. Die Aktie verzeichnete einen Rücksetzer zum 21 GD, der nun als Unterstützung zu dienen scheint. Am gestrigen Montag hat die Aktie das "Low Cheat" Setup von Minervini ausgelöst, als sie über das Hoch der letzten Tage ausbrach.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox
FuelCell Energy - Profiteur des Stromhungers der Rechenzentren mit "Pullback"-Setup
FuelCell Energy (FCEL) will vom wachsenden Strombedarf der Rechenzentren profitieren. Das 1969 in Connecticut gegründete Unternehmen zählt zu den Pionieren der Brennstoffzellentechnik.
Das Geschäftsmodell basiert auf stationären Brennstoffzellenkraftwerken, die aus Erdgas, Biogas oder Wasserstoff Strom erzeugen. Die wichtigsten Umsatzquellen sind der Verkauf von Kraftwerksmodulen, langfristige Serviceverträge und der Stromverkauf aus eigenen Anlagen. Neu ist der "FuelCell Energy Block". Hierbei handelt es sich um ein standardisiertes, modulares Kraftwerk mit 12,5 Megawatt Leistung, das speziell auf Rechenzentren und KI-Anwendungen abzielt.
Das übergeordnete Marktthema ist der Energiehunger der Künstlichen Intelligenz. Der rasante Ausbau von Rechenzentren für KI-Anwendungen lässt den Strombedarf in den USA sprunghaft steigen, doch das Stromnetz hält nicht Schritt. Netzengpässe, lange Wartelisten für Netzanschlüsse und zähe Genehmigungsverfahren verzögern zunehmend den Bau neuer Rechenzentren. Betreiber suchen deshalb nach Wegen, sich zuverlässigen Strom zu sichern, ohne auf die Versorger warten zu müssen. Genau hier setzen dezentrale Kraftwerke direkt am Standort an, die unabhängig vom öffentlichen Netz Grundlaststrom liefern. Wie stark dieser Trend das Geschäft von FuelCell Energy prägt, zeigt ein Blick in die Auftragspipeline: Rund 89 % aller eingereichten Angebote entfallen inzwischen auf Rechenzentrumskunden.
Im Wettbewerb steht FuelCell Energy vor allem mit Bloom Energy und Plug Power.
Die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen vom 8. Juni 2026 fielen gemischt aus. Der Umsatz sank im zweiten Geschäftsquartal um 5 % gegenüber dem Vorjahr auf ca. 36 Millionen US-Dollar und verfehlte die Analystenerwartung. Der Verlust je Aktie betrug 1,45 US-Dollar. Analysten erwarteten ein Minus von 0,43 US-Dollar. Der Nettoverlust verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahresquartal auf knapp 78 Millionen US-Dollar (belastet durch eine Abschreibung).
Am 24. Juni gab es einen Pivotal News Point. Das Unternehmen meldete einen Deal mit Fit Energy über 380 MW für Data Center. An den Folgetagen haben mehrere Analystenhäuser ihre Preisziele nach oben angepasst. Beachtlich war hier, dass B.Riley das Preisziel von 13 US-Dollar auf 32 US-Dollar mehr als verdoppelte!
Die Aktie brach in Folge des Pivotal News Points aus und schoss innerhalb von drei Handelstagen um über 90 % nach oben. Am vergangenen Donnertag setzte die Aktie zum Ausbruchsniveau zurück. Gestern sahen wir einen charttechnischen Innenstab. Wenn die Aktie das Hoch von gestern herausnimmt, würde das Pullback-Kaufsignal nach Minervini ausgelöst werden. Über dem Hoch von gestern bietet es sich somit an, eine Position zu eröffnen.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox
Neogen – Operative Verbesserung, strategischer Umbau und "Low Cheat"-Setup
Neogen Corporation (NEOG) ist ein US-Anbieter von Test- und Diagnostiklösungen für Lebensmittel- und Tiersicherheit. Das 1982 gegründete Unternehmen mit Sitz in Michigan ist an der Nasdaq gelistet.
Das Geschäftsmodell ruht auf zwei Säulen. Im Bereich Lebensmittelsicherheit verkauft Neogen Diagnostik-Testkits und Kulturmedien, mit denen Lebensmittelhersteller Krankheitserreger, Allergene, Schimmelpilzgifte und Rückstände aufspüren. Das wichtigste Produkt ist die Petrifilm-Plattform. Dies ist eine gebrauchsfertige Testmethode für mikrobiologische Kontrollen. Die zweite Säule, Tiersicherheit, umfasst Veterinär- und Biosicherheitsprodukte.
Die "Story", die der Markt spielt, sind die operative Verbesserung nach der dem Deal mit 3M und der strategische Umbau. So kaufte Neogen in 2022 das Lebensmittelsicherheitsgeschäft von 3M in einem milliardenschweren Deal. Allerdings verhob man sich an der Integration. Lieferprobleme, ein holpriges neues Warenwirtschaftssystem und die teure Verlagerung der Petrifilm-Produktion belasten das Unternehmen bis heute. Jedoch gibt es hier nun klare Anzeichen einer Stabilisierung. Bzgl. des strategischen Umbaus hat Neogen gezielt Bereiche abgestoßen, die als weniger strategisch gelten. Im Juli 2025 verkaufte das Unternehmen die Sparte für Reinigungs- und Desinfektionsmittel für 130 Millionen Dollar. Die Genomik-Sparte GeneSeek, die Erbgut-Analysen vor allem für Nutztierzüchter anbietet und im Geschäftsjahr 2025 rund 90 Millionen Dollar Umsatz erzielte, ging für 160 Millionen Dollar an Zoetis. Beide Erlöse dienen dem Schuldenabbau.
Wichtige Wettbewerber sind Bio-Rad Laboratories und Thermo Fisher Scientific.
Am 9. April 2026 legte Neogen Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vor. Der Umsatz sank um 4,4 % auf 211 Millionen Dollar, übertraf aber die Erwartungen der Wall Street. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,09 Dollar nach 0,10 im Vorjahr. Er übertraf damit jedoch die eigene Prognose von 0,06 Dollar klar. Letztlich hob das Management die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 857 bis 860 Millionen Dollar an.
Die Aktie steht aktuell knapp oberhalb der wichtigen gleitenden Durchschnitte wie dem 10 GD, dem 21 GD und dem 50 GD. Sobald die Aktie das Hoch vom 01. Juli herausnimmt und damit das "Low Cheat"-Setup nach Minervini auslöst, kann eine Position eröffnet werden.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox






