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KI-Boom: An welcher der drei Wellen des Megatrends Anleger jetzt am besten verdienen können

Bildherkunft: AdobeStock_2185991699

Die Société Générale teilt den KI-Boom in drei Wellen ein: Ausrüster, Anbieter, Anwender. Die erste läuft noch, die zweite hat begonnen, die dritte steht am Anfang. Für 116 Aktien mit zusammen rund 40 Billionen USD Börsenwert zeigt die Studie, wo die Strategen jetzt die besten Chancen sehen.

Wer in einem Goldrausch Geld verdienen will, kauft erfahrungsgemäß nicht unbedingt die Schürfrechte. Bei Anstürmen auf das gelbe Edelmetall lief der Zyklus beispielsweise nach dem folgenden Skript ab. Zuerst verdienten die Händler, die Schaufeln und Zelte verkauften. Später die Betreiber, die das Gold verarbeiteten. Am Ende alle, die mit dem billiger gewordenen Rohstoff bessere Geschäfte machten.

Das Strategieteam der Société Générale (SG) um Manish Kabra überträgt dieses Muster auf die Künstliche Intelligenz und damit auf den aktuell wichtigsten Megatrend. Für Anleger ist daran vor allem folgende Botschaft am wichtigsten: Es kommt darauf an, in welcher Phase man welche Aktien kauft.

Wo wir im Zyklus stehen 

Die Antwort der Studie lautet: mittendrin, mit Schwerpunkt noch in der ersten Welle. Die Investitionen in Rechenzentren laufen weiter auf Hochtouren. Die Strategen erwarten, dass das Wachstum der KI-Investitionen erst in einigen Quartalen seinen Höhepunkt erreicht.

Sichtbar wird das ihrer Prognose zufolge ab dem ersten Quartal 2027, wenn die Zuwachsraten der großen Cloud-Konzerne bei ihren Investitionen nachlassen. Bis dahin rechnen sie mit Rückenwind für die Ausrüster, mindestens durch die nächsten zwei Berichtssaisons, also die Quartalszahlen im Herbst und zum Jahreswechsel.

Die zweite Welle hat bereits begonnen. Die Cloud-Umsätze wachsen zweistellig bis dreistellig, die Auftragsbestände steigen. Die dritte Welle steht dagegen am Anfang. Die Produktivitätszahlen sind ermutigend, doch an der Börse spiegelt sich das noch kaum wider. Die Wellen lösen sich nicht sauber ab, sie überlappen sich. Die Kurven der drei Phasen überschneiden sich vielmehr deutlich. Das zeigt auch die nachfolgende Grafik.

KI-Fahrplan: Von der Infrastruktur über die Monetarisierung bis hin zur Produktivität

KI-Fahrplan

Ein riesiger Markt von 40 Billionen USD 

Die Strategen haben aus dem S&P 500, dem Index der 500 größten US-Börsenwerte, drei Aktienkörbe gebildet. Diese Baskets bündeln Aktien, die dasselbe Thema bedienen. "Build AI" ("KI bauen") umfasst 62 Aktien mit rund 17 Billionen USD Börsenwert. "Sell AI" ("KI verkaufen") enthält 23 Aktien mit etwa 16 Billionen USD. "Use AI" ("KI nutzen") vereint 31 Aktien mit rund 9 Billionen USD. Zusammen sind das etwa 60 % des Index. Die KI-Wette ist damit keine Nische mehr, sondern mehr als der halbe Aktienmarkt.

Der 40-Billionen USD schwere KI-Boom im S&P 500: Bauen, verkaufen, nutzen

Der 40-Billionen USD schwere KI-Boom im S&P 500

Welle 1 – Build AI: Die Ausrüster laufen weiter, sind aber nicht mehr billig 

Fast das gesamte Geld, das in KI fließt, geht laut einer Analyse von Bernstein in physische Anlagen, etwa 40 % allein in Grafik- und Server-Prozessoren (GPUs und CPUs). Die Kette reicht von Chips über Netzwerke und Speicher bis zu Strom und Kühlung. Der Engpass wandert dabei nach hinten: Anfangs fehlten Chips, heute fehlen zunehmend Strom und Platz.

Im Korb stecken Nvidia, Broadcom, Micron und AMD, dazu Maschinenbauer für die Chipfertigung wie Applied Materials, Lam Research und KLA. Hinzu kommen Netzwerkspezialisten wie Arista und Cisco, Stromerzeuger und Ausrüster wie GE Vernova, Eaton und Southern sowie Kühlspezialisten wie Vertiv. Auch Rechenzentrumsbetreiber wie Equinix und Digital Realty gehören dazu.

Der "Build AI"-Aktienkorb von SG: Die Erbauer der Infrastruktur im Überblick

Der Build AI-Aktienkorb von SG

Quellen: Firmenwebseiten, SG Cross Asset Research/Equity Strategy

Der Korb hat sich laut rückgerechneter Kurve seit 2021 gut vervierfacht, der S&P 500 nur auf rund 170 Punkte bewegt (Start jeweils 100). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen für die nächsten zwölf Monate liegt bei rund 27, über dem eigenen Schnitt von etwa 23. Hier zahlen Anleger also schon einen Aufschlag.

Dafür nennt die SG einen anderen Einstiegsgrund: Die Halbleiterwerte sind bis vor kurzem stark gefallen, obwohl die Gewinnschätzungen gestiegen sind. Sie kosten nur noch rund das 16-Fache der Gewinnschätzungen, die Hyperscaler dagegen das 22-Fache. Die Strategen erwarten, dass sich diese Lücke schließt, und bleiben für das vierte Quartal ausdrücklich zuversichtlich für Halbleiter.

Bestandteile des SG-Themen-Baskets "Build AI" (Aufbau der KI-Infrastruktur)

Bestandteile des SG-Themen-Baskets12102026

Quellen: Firmenwebseiten, SG Cross Asset Research/Equity Strategy

Welle 2 – Sell AI: Die Umsätze sind da, der Korb ist günstiger als sonst

 Die zweite Welle ist belegt. Im zweiten Quartal 2026 wuchs Google Cloud um 82 % zum Vorjahr. Die Auftragsbestände (Backlog) von Amazon, Microsoft, Google und Oracle stiegen auf rund 2,3 Billionen USD, rund 300 Mrd. USD mehr als im Vorquartal. Auch die Umsatzrate des KI-Anbieters Anthropic stieg laut Medienberichten binnen neun Monaten von rund 9 Mrd. auf rund 100 Mrd. USD auf das Jahr gerechnet.

Im Korb stecken die Hyperscaler Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta, also die Betreiber riesiger Rechenzentren. Dazu kommen Tesla, die Softwarehäuser Palantir, Salesforce, ServiceNow und Datadog sowie Cybersicherheitsfirmen wie Palo Alto Networks, CrowdStrike und Fortinet. Der Korb hat sich seit 2021 gut mehr als verdoppelt und wird mit etwa dem 25-Fachen der Gewinnschätzungen bewertet, unter seinem Durchschnitt von knapp 29.

Der "Sell AI"-Aktienkorb von SG: Positionierung auf die direkten Monopolisierer der Monetarisierung

Der

Quellen: Firmenwebseiten, SG Cross Asset Research/Equity Strategy

Allerdings macht die SG hier eine wichtige Einschränkung. Die Hyperscaler selbst sieht sie derzeit kritisch und rät zur Untergewichtung. Die Konzerne wollen 2027 rund 1,1 Billionen USD investieren und müssen sich dafür über 200 Mrd. USD am Kapitalmarkt besorgen. Die Kreditausfallversicherungen (CDS) der Konzerne stehen auf Rekordhöhe, und das drückt ihre Bewertung.

Einsteigen will die SG erst, wenn diese Risikoaufschläge ihren Höhepunkt überschritten haben, voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2027. Als Alternative empfiehlt sie Softwareanbieter, die KI direkt zu Geld machen. Das Argument: Diese Firmen leben vom Verkauf der KI und müssen nicht selbst Hunderte Milliarden in Rechenzentren stecken.

Bestandteile des SG-Themen-Baskets "Sell AI" (Monetarisierung von KI)

Bestandteile des SG-Themen-Baskets

Quellen: Firmenwebseiten, SG Cross Asset Research/Equity Strategy

Welle 3 – Use AI: Der Aufholkandidat 

Die dritte Welle ist die breiteste. Hier sind Unternehmen aus klassischen Branchen, deren Produkte nicht KI sind, deren Kosten aber durch KI sinken. Die SG nennt Beispiele. JPMorgan senkt die Betrugskosten je Fall um 11 %, GE Aerospace erkennt Triebwerksfehler um 45 % besser und 60 % früher, Ecolab peilt bis 2027 Einsparungen von 325 Mio. USD an, Netflix sieht 15 % bis 25 % Kostenpotenzial.

Die Strategen bewerten jedes S&P-500-Unternehmen nach Produktivität und Umsatzpotenzial. Als nächste Gewinner nach Technologie und Kommunikation nennen sie Finanzwerte wie JPMorgan, Visa, Mastercard und Bank of America, Gesundheitswerte wie Eli Lilly, UnitedHealth und Johnson & Johnson sowie Industriewerte wie GE Aerospace und Deere. Dazu kommen Konsumwerte wie Costco, Coca-Cola, Procter & Gamble und Home Depot. Energie und Rohstoffe zeigen bislang kaum KI-Effekte.

Der "Use AI"-Aktienkorb von SG: Die Gewinner des Produktivitätsschubs im Überblick

Der

Quellen: Firmenwebseiten, SG Cross Asset Research/Equity Strategy

Für Anleger ist die Kurve interessant: Der Korb hat sich laut Grafik seit 2021 kaum besser entwickelt als der Gesamtmarkt und wird mit knapp dem 19-Fachen der Gewinnschätzungen leicht über seinem Schnitt von gut 17 bewertet. Der große Durchbruch ist hier also noch nicht eingepreist.

Mut macht die Datenlage: Der inflationsbereinigte Umsatz je Mitarbeiter liegt in sieben von zehn großen Branchen auf einem Rekordhoch und ist im S&P 500 binnen drei Jahren um 8 % gestiegen, ohne Technologie um 5 %. Wie sich das in den Gewinnen und den Kursen niederschlägt, ist die offene Frage dieser Welle. 

Bestandteile des SG-Themen-Baskets "Use AI" (Produktivitätsgewinne durch KI)

Bestandteile des SG-Themen-Baskets

Quellen: Firmenwebseiten, SG Cross Asset Research/Equity Strategy

Was Anleger beachten sollten 

Die Studie ist keine Kaufliste für alle 116 Aktien. Die SG erwartet für den S&P 500 bis Jahresende 8.000 Punkte und ist für das vierte Quartal besonders für Technologie zuversichtlich, vor allem für Halbleiter und Softwareanbieter.

Aber sie nennt auch Risiken. Die Technologiegewinne dürften 2027 stärker an Schwung verlieren, als der Markt erwartet, weil das Wachstum der KI-Investitionen nachlässt. Steigen die Zinsen weiter, belastet das die kreditfinanzierten Teile des Booms. Im Bärenfall mit Ölpreis von 150 USD und Zehnjahresrendite von 6 % sieht die SG den Index bei 6.000 Punkten, im Bullenfall bei 10.000.

Dazu kommt ein Hinweis zur Methode: Die Körbe wurden erst am 30. September 2026 aufgelegt, die gezeigten Kurse davor sind nachträglich zurückgerechnet.

Ansonsten ist allgemein zu konstatieren, dass der Staffellauf läuft: Die Chipwerte haben den ersten Abschnitt gewonnen und laufen noch, die Softwareanbieter sind gerade dran, und die breite Wirtschaft nimmt den Stab erst noch auf. Wer jetzt kauft, sollte sich genau überlegen, auf welche Läufer er basierend auf den skizzierten Überlegungen am besten setzt.

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