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Der S&P 500 ist fast zurück am Allzeithoch. Was sagen die psychologischen Indikatoren zur aktuellen Lage?

Bildherkunft: AdobeStock_936329522

Nachdem der S&P 500 in der letzten Woche vom letzten Allzeithoch ca. 5 % abgegeben hat, sahen wir seit Donnerstagabend eine starke Erholung, die am gestrigen Montag mit dem Friedensabkommen im Nahen Osten vom Sonntag weiter befeuert wurde. Der S&P 500 befindet sich nun weniger als 1 % von seinem Allzeithoch vom 02. Juni entfernt.

Was sagen die psychologische Indikatoren, die das aktuelle Sentiment des Marktes zum Ausdruck bringen, zur derzeitigen Lage?

"Angst und Geiz" Index – Im Bereich "Angst"

Der "Angst und Geiz" Index bzw. "Fear and Greed" Index stellt den ersten Indikator vor, den wir uns anschauen wollen. Er wird von CNN Business erhoben und ist vermutlich einer der bekanntesten psychologischen Indikatoren (siehe folgende Abbildung).

Der Index kann Werte zwischen 0 und 100 annehmen, wobei 0 für extreme Angst ("extreme fear") steht und 100 für extreme Gier ("extreme greed") steht. Werte von 0 bis 25 bedeuten "extreme fear". Werte von 26 bis 45 stehen für "fear". Werte von 46 bis 55 bedeuten "neutral". Werte von 56 bis 75 implizieren "greed" und Werte von 76 bis 100 bedeuten "extreme greed".

Dieser Indikator wird aus sieben Sub-Indikatoren ermittelt. Hierunter fallen u. a. neue 52 Wochenhochs in Relation zu neuen 52 Wochentiefs, Marktvolatilität und Put/Call Ratio.  

Per 15. Juni 2026 steht der Indikator bei 41. Damit befindet er sich seit dem 4. Juni im "fear"-Bereich. Wir sehen also ein erhöhtes Niveau an Pessimismus im Markt. Das ist ein wenig überraschend, wenn man die starke Preisbewegung der letzten 2,5 Tage berücksichtigt. Es scheint also so, dass der Markt dieser 2,5 Tage Rallye zurück zum Allzeithoch (noch) nicht so richtig zu glauben scheint.

 

Quelle: https://www.cnn.com/markets/fear-and-greed

AAII-Indikator – Beachtlicher Anstieg des Pessimismus

Ein zweiter psychologischer Indikator ist der AAII-Indikator (siehe folgende Abbildung). Die Abkürzung "AAII" steht für "American Association of Individual Investors". Der AAII-Indikator bzw. die AAII-Umfrage befragt Privatanleger, wohin sich der Markt in den nächsten sechs Monaten bewegen wird. Historisch gesehen liegt der Wert für bullisch bei 37,5%, für neutral bei 31,5% und für bärisch bei 31%.

AAII-Indikator

Quelle: https://www.aaii.com/sentimentsurvey

Der Pessimismus unter privaten Anlegern hinsichtlich des kurzfristigen Ausblicks für Aktien hat in der neuesten AAII Sentiment Survey vom 11. Juni kräftig zugenommen. Gleichzeitig gingen Optimismus und neutrale Erwartungen zurück.

Der Wert für das bullische Sentiment, also die Erwartung, dass Aktienkurse in den nächsten sechs Monaten steigen werden, sank deutlich gegenüber der Vorwoche auf 30,4%. Damit liegt der Optimismus auf dem Niveau vom 18. März, als der S&P 500 am gleitenden 200 Tagedurchschnitt stand. Das bullische Sentiment liegt damit unter dem historischen Durchschnitt von 37,5% für die vierte Woche hintereinander.

Der neutrale Sentimentwert fiel auf 22 %. Das ist der niedrigste Stand seit dem 22. April. Dieser Wert ist ungewöhnlich niedrig und liegt unter seinem historischen Durchschnitt von 31,5 %.

Der Wert für das bärische Sentiment stieg deutlich an auf 47,7 %. Das ist der höchste Wert seit dem 1. April. Damit liegt der Pessimismus ungewöhnlich hoch und bereits die achtzehnte Woche in Folge über seinem historischen Durchschnitt von 31,5 %.

Der "Bull-Bear-Spread" (bullisches minus bärisches Sentiment) lieg bei –17,3 %. Dieser Wert ist zum ersten Mal seit März ungewöhnlich niedrig und unter seinem historischen Durchschnitt von 6,5 %.

Folglich zeigen die Ergebnisse der jüngsten AAII-Umfrage eine deutliche pessimistische Haltung der privaten Anlagen hinsichtlich der nächsten sechs Monate. Wichtig ist zu betonen, dass diese Werte vor dem 11. Juni registriert wurden und damit vor dem Tweet von Trump bezüglich eines möglichen Friedensabkommens am Abend des 11. Juni.

NAAIM Exposure Index – Auf Durchschnittsniveau

Der dritte Indikator ist der NAAIM Exposure Index ("National Association of Active Investment Managers"). Dieser stellt das durchschnittliche Engagement an den US-Aktienmärkten dar, das von den Investmentmanagern gemeldet wird. Dieser Index gibt Einblick in die tatsächlichen Anpassungen, die aktive Risikomanager in den letzten zwei Wochen in den Konten der Kunden vorgenommen haben. Die blaue Linie in der folgenden Abbildung zeigt einen zweiwöchigen gleitenden Durchschnitt der Antworten der NAAIM-Manager.

NAAIM Exposure Index

Quelle: https://www.naaim.org/programs/naaim-exposure-index/

Der aktuelle Wert liegt bei 79,27. Dies ist der niedrigste Wert in vier Wochen. Es handelt sich um einen Durchschnittwert. Es lässt sich somit keine Aussage darüber treffen, ob Investmentmanagern eher bullisch oder eher bärisch aufgestellt sind.

Marktvolatilität (VIX) – Starker Rückgang

Die Marktvolatilität (VIX) stellt den vierten Indikator dar (siehe folgende Abbildung). Hierbei handelt es sich um einen Sub-Indikator des "Fear and Greed" Index.

Die Berechnung des VIX ist komplex. Kurz zusammengefasst: Es wird die erwartete Volatilität auf Jahressicht berechnet, indem der Durchschnitt der gewichteten Preise von Out-of-the-money-Puts und -Calls für den S&P 500 in Echtzeit gebildet wird. Um die Tagesvolatilität zu berechnen, muss man den VIX durch 16 teilen (16 entspricht ungefähr der Wurzel von 252, wobei 252 für die Anzahl an Trading-Tagen pro Jahr steht).

Beispiel: Wenn der VIX einen Wert von 32 aufweist, dann beläuft sich die erwartete Tagesvolatilität des S&P 500 auf 2%. Dies wäre relativ volatil und wäre ein Anzeichen von Angst im Markt. Man sagt, dass Werte über 40 für sehr hohe Volatilität und damit für viel Pessimismus im Markt stehen, während Werte unter 20 wenig Volatilität und wenig Pessimismus implizieren.

Am 09. Juni ist der VIX bis auf gut 23 nach oben geschossen ist. Das stand für ein erhöhtes Maß an Pessimismus. Nun ist der Volatilitätsindex stark zurückgekommen. Per 15. Juni 2026 steht der VIX bei 16,21. Dieser Wert impliziert Optimismus.

Marktbreite – Wieder zunehmende Anzahl an Aktien, die an dem Aufwärtstrend partizipieren

Die Marktbreite stellt den fünften Indikator dar. Um sich ein gutes Bild von der Marktbreite zu verschaffen, kann man sich verschiedene Indikatoren und breit gefächerte Indizes anschauen.

So spiegelt beispielsweise der Russell 2000 (ein Index, der 2000 kleine und mittelgroße marktkapitalisierte Unternehmen beinhaltet) die Marktbreite wider. Dieser hat bereits am vergangenen Freitag ein neues Allzeithoch markiert. Das war sehr bullisch. Gestern folgte die Bestätigung.

Außerdem ist es im Rahmen der Analyse der Marktbreite sinnvoll, einen Blick darauf zu werfen, wie viele Aktien sich über ihrem jeweiligen gleitenden 50 Tagedurchschnitt (SMA50) und gleitenden 200 Tagedurchschnitt (SMA200) befinden. Aktuell sind es 52,5% und 49,6%. (siehe folgende Abbildung). Diese Werte spiegeln eher einen Bullenmarkt als einen Bärenmarkt wider.

Marktbreite

Quelle: https://finviz.com/

Zwei weitere Indikatoren der Marktbreite werden in der folgenden Abbildung dargestellt. Erstens ist es die Anzahl an Aktien, die an einem Tag steigen ("advancing") verglichen mit denen, die fallen ("declining"). Zweitens ist es die Anzahl an Aktien, die ein neues 52 Wochenhoch markieren ("new high") im Vergleich mit der Anzahl an Aktien, die ein neues 52 Wochentief machen.

Zwei weitere Indikatoren der Marktbreite

Quelle: https://finviz.com/

Gestern war der erste Tag von mehr "declining" Aktien als "advancing" Aktien. In einem stabilen Aufwärtstrend sollten die "advancing" Aktien die Oberhand haben.

Die Betrachtung von 52 Wochenhochs ("new highs") und -tiefs ("new lows") ist bedeutender als die von steigenden und fallenden Aktien. Denn jede Aktie kann täglich positiv oder negativ schließen. Ein neues 52-Wochenhoch erfordert aber, dass ein Anleger bereit ist, einen höheren Preis zu zahlen als jeder andere in den abgelaufenen zwölf Monaten. Das erfordert Überzeugung. Zudem zeigt es tatsächlichen Fortschritt: Eine Aktie mag gestern 5 % gefallen und heute 1 % gestiegen sein, aber ist sie langfristig ein Gewinner? Das kann man bei dieser Art von Kursbewegungen nicht aussagen. Ein 52-Wochenhoch hingegen beweist Überzeugung und Netto-Fortschritt in einer einzigen Kennzahl. Per 15. Juni 2026 hat es auf den Börsenplätzen NYSE, Nasdaq und AMEX fünf Tage hintereinander "new highs" gegeben. Das heißt, dass in den letzten fünf Handelstagen netto betrachtet mehr Aktien neue 52 Wochenhoch markiert haben. Das ist konstruktiv.

Insgesamt bekommen wir ein Bild von zunehmender Marktbreite. Das ist positiv einzustufen.

Was lässt sich abschließend sagen?

Aktuell gibt uns der Markt tendenziell ein bullisches Gesamtbild. Die meisten Indikatoren weisen auf Optimismus und zunehmende Marktbreite hin.

 

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