Der IPO-Markt in den USA hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Wenn man die Zahl an IPOs per 31. Juli 2026 auf das gesamte Jahr extrapoliert, dann sollte in Ende 2026 ein neues Fünfjahreshoch erreicht worden sein (siehe folgende Abbildung).

Quelle: https://stockanalysis.com/ipos/statistics/
Bezogen auf das eingesammelte Kapital erlebt der US-amerikanische IPO-Markt aktuell eine fulminante Rallye. Bis zum 13. Juli wurden laut Renaissance Capital bereits 141,2 Milliarden US-Dollar durch Börsengänge eingesammelt (siehe folgende Abbildung), wovon 75 Milliarden US-Dollar auf den SpaceX-IPO entfallen. Damit liegt das Volumen fast auf dem Rekordniveau von 2021, als 142,4 Milliarden US-Dollar erreicht wurden. Des Weiteren ist zu betonen, dass im aktuellen Jahr noch die IPOs von Anthropic and OpenAI erwartet werden. Folglich sollte das Hoch aus dem Jahr 2021 problemlos getoppt werden.
Für Anleger signalisiert dies insgesamt eine hohe Risikobereitschaft am Markt und deutlich bessere Finanzierungsbedingungen. Das ist sehr bullisch.
Gleichzeitig erinnert der massive Anstieg an eingesammeltem Kapital in 2026 an das Jahr 2021 und ruft damit auch zur Vorsicht auf.

Quelle: Charlie Bilello Newsletter vom 14. Juli 2026
Csquare - Brookfields Rechenzentrumstochter wagt den Sprung an die Börse
Mit Csquare (CSQR) wurde am 16. Juli ein reiner Rechenzentrumsbetreiber an die New Yorker Börse gelistet.
Das Unternehmen aus Texas entstand aus zwei Zukäufen des Vermögensverwalters Brookfield. In 2019 übernahm dieser die Rechenzentren von AT&T für rund 1,1 Milliarden US-Dollar. Anfang 2024 folgte der insolvente Anbieter Cyxtera für etwa 775 Millionen US-Dollar. Beide Teile wurden zunächst als Centersquare geführt und Anfang 2026 in Csquare umbenannt.
Das Geschäftsmodell ist "Colocation", also die Vermietung von Fläche, Strom und Kühlung an Kunden, die dort eigene Rechner betreiben. Hinzu kommen Verbindungsdienste zwischen Netzbetreibern und Cloudanbietern sowie langfristige Verträge über ein bis sieben Jahre. Der Bestand umfasst 64 Standorte in 21 Ballungsräumen in den USA, Kanada und Großbritannien mit rund 389 Megawatt vermarktbarer Leistung und über 1.700 Kunden.
Der Markt spielt hier die "Story" des "Strom- und Flächenhungers" im Rahmen der künstlichen Intelligenz.
Wettbewerber sind Equinix und Digital Realty.
Eigene Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen sind noch nicht veröffentlicht worden. Aus dem Börsenprospekt geht für das erste Quartal 2026 ein Umsatz von 271 Millionen US-Dollar hervor, nach 233 Millionen im Vorjahr. Der Verlust weitete sich auf 66 Millionen US-Dollar aus.
Charttechnisch lässt sich nach zwei Wochen Handel noch nicht viel aussagen. Wichtig ist, dass die Aktie in den kommenden Wochen anfängt, eine Konsolidierung (sog. IPO-base) zu bilden. Dem Ausbruch aus dieser Konsolidierung kann gefolgt werden.
Scribe Therapeutics - CRISPR gegen hohes Cholesterin, mit Sanofi und Eli Lilly im Rücken
Scribe Therapeutics (SCTX) ist seit dem 27. Juli 2026 an der Nasdaq notiert. Das 2018 gegründete Unternehmen aus Kalifornien ist eine Ausgründung aus dem Labor der Nobelpreisträgerin Jennifer Doudna in Berkeley. Geführt wird es von Mitgründer Benjamin Oakes.
Produktumsätze gibt es bisher keine. Die Einnahmen stammen aus Forschungspartnerschaften mit Sanofi sowie Eli Lilly. Technisch stützt sich Scribe Therapeutics auf zwei eigene Plattformen: ELXR und XE.
ELXR schaltet krankheitsrelevante Gene stumm, ohne das Erbgut dauerhaft zu verändern. XE ist eine klassische Genschere (CRISPR). Darauf bauen drei Wirkstoffe auf: STX-1150 senkt das LDL-Cholesterin über das Zielprotein PCSK9 und befindet sich in einer ersten Studie am Menschen in Australien mit bis zu 64 Teilnehmern. Erste Daten werden im ersten Halbjahr 2027 erwartet. STX-1200 zielt auf Lipoprotein(a) und STX-1400 auf Triglyzeride.
Die "Story", die der Markt aktuell spielt, lautet: einmalige Behandlungen könnten das Problem lösen, dass viele Patienten Cholesterinsenker über Jahre nicht zuverlässig einnehmen.
Wettbewerber sind Verve Therapeutics und Intellia Therapeutics.
Der Börsenprospekt weist für das erste Quartal 2026 einen Kooperationsumsatz von 2,2 Millionen US-Dollar aus, nach 17,1 Millionen im Vorjahresquartal. Der Verlust je Aktie stieg auf 1,19 US-Dollar nach 0,24 US-Dollar.
Der kurzfristige Chart macht noch keine bedeutsame Aussage. Es bietet sich an, die Aktie auf die Watchliste zu legen, bis eine IPO-Base ausgebildet ist.
ITG - Komplettanbieter für unternehmenskritische digitale Infrastruktur und Versorgungsinfrastruktur mit Fokus auf Glasfaserausbau
Am 1. Juli 2026 gab ITG (ITG) sein Debüt an der US-Börse. Das 2014 gegründete Unternehmen mit Sitz in Florida gehörte zuvor zum Portfolio des Finanzinvestors Oaktree und beschäftigt rund 2.900 Mitarbeiter in 49 Bundesstaaten.
Das Geschäft ruht auf zwei Säulen. Der größere Bereich "Technik und Instandhaltung" umfasst Netzplanung, das Verlegen von Glasfaserkabeln, Hausanschlüsse sowie Störungsbehebung und steuerte 2025 etwa 59 Prozent des Umsatzes bei. Der zweite Bereich "Netzausbau" deckt großflächige Bauprojekte über und unter der Erde ab, darunter Bohrungen und Leerrohre für Kabelnetzbetreiber, Mobilfunkanbieter, Rechenzentren und Versorger.
Ergänzend betreibt ITG die eigene Software FUSE360, die Einsatzplanung, Fuhrpark, Qualitätskontrolle und Abrechnung bündelt. Rund 92 Prozent der Erlöse entfallen auf mehrjährige Rahmenverträge.
Die übergeordnete "Marktstory" des amerikanischen Netzausbaus bezieht sich auf staatliche Fördermittel im Rahmen des US-Infrastrukturprogramms für Breitband, wachsende Rechenzentren und steigender Datenverkehr durch künstliche Intelligenz.
Im Wettbewerb steht das Unternehmen vor allem mit Dycom Industries und MasTec.
Eigene Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen liegen noch nicht vor. Die jüngsten veröffentlichten Zahlen stammen aus dem Börsenprospekt und betreffen das erste Quartal 2026 zum 31. März. Der Umsatz belief sich auf 334 Millionen US-Dollar nach 225 Millionen im Vorjahresquartal, bei einem Auftragsbestand von 2,9 Milliarden. Die ersten regulären Quartalszahlen sollen am 12. August 2026 vorgelegt werden.
Charttechnisch scheint die Aktie aktuell dabei zu sein, eine IPO-Base auszubilden. Die Zahlen am 12. August werden darüber vermutlich mehr Ausschluss geben. Die Aktie gehört auf die Watchliste.






