Die US-Aktienindizes tun sich seit Juni schwer mit der nächsten Bewegung nach oben. Gründe dafür sind u. a. der anhaltende Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundenen relative hohen Ölpreise, die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen mit stetig neuen 52 Wochenhochs und ab jetzt eine historisch schwierige Saisonalität.
Letztlich haben jedoch die Aktiencharts das letzte Wort und viele Charts sprechen eine eindeutige Sprache: sie zeigen "weite und lose" Konsolidierung. Die Traderikonen wie William O’Neil und Gil Morales würden vermutlich von "wide and loose bases" sprechen. Morales hat dazu noch den Begriff "late stage failed bases” (LSFB) geprägt. Auf Deutsch kann man dieses Setup als eine im späteren Aufwärtstrend einer Aktie stattfindende Seitwärtskonsolidierung mit Fehlausbruch bezeichnen. Davon haben wir in den zwei Monaten mehrere gesehen, z. B. Bloom Energy, Dell, Intel. In solchen Phasen gilt es, auch einen Blick auf die Leerverkaufsseite zu werfen (im Englisch auch "shorting" genannt).
In diesem Kontext zeigen Gil Morales und Chris Kacher in ihrem Buch "Short Selling with the O’Neil Disciples", wie Aktien systematisch leerverkauft werden können. Besonders interessant sind ehemalige Leaderaktien, die nach starken Kursanstiegen Schwächesignale zeigen. Die Autoren empfehlen, den Marktzyklus zu beachten, liquide Aktien auszuwählen, Verluste auf 3–5 % zu begrenzen und Gewinne bei etwa 20–30 % mitzunehmen. Anders als viele Shortseller verkaufen sie bevorzugt in Erholungsrallyes hinein. Wichtige Setups sind die "Wedging Rally", bei der eine schwache Rallye unter sinkendem Volumen an Widerständen scheitert, sowie die "Bear Flag", bei der eine Konsolidierung nach unten durchbrochen wird (mehr dazu siehe https://aktienmagazin.de/blog/aktienanalysen/zunahme-an-leerverkaufssetups-bei-leaderaktien-diese-gehoren-auf-die-s-175344.html).
Entscheidend sind Geduld, Disziplin und Risikomanagement.
Sandisk – Die fulminante Rallye von 47 US-Dollar auf 2.354 US-Dollar in 12 Monaten könnte jetzt mit einem "Short"-Setup vorläufig zu Ende gehen
Sandisk (SNDK) hat sich innerhalb weniger Quartale vom Nachzügler der Speicherbranche zu einem der profitabelsten Halbleiterunternehmen und vermutlich zu der Top-Leaderaktie des ersten Halbjahres 2026 entwickelt. Das 1988 in Kalifornien gegründete Unternehmen wurde durch Speicherkarten bekannt. Ab 2016 gehörte es zu Western Digital, bevor es seit Anfang 2025 wieder eigenständig börsennotiert.
Das Geschäft ruht auf drei Säulen. Am schnellsten wächst das Rechenzentrumsgeschäft mit besonders schnellen Speicherlaufwerken ohne bewegliche Teile, den sogenannten "Solid State Drives". Es steuerte zuletzt 2,98 Milliarden US-Dollar bei, was einem Plus von 103 Prozent gegenüber dem Vorquartal (!) entspricht. Das Edge-Geschäft, also eingebettete Speicherlösungen für Smartphones und Industriekunden erwirtschaftet mit 5,43 Milliarden US-Dollar einen noch größeren Umsatz generiert. Das Endkundengeschäft mit Speicherkarten und USB-Sticks schrumpft dagegen. Das lag weniger an der fehlenden Nachfrage nach dem Produkt, als vielmehr an der bewussten Allokation seitens Managements und Preisdynamik des Marktes.
Der Markt hat lange die "Story" einer strukturellen Speicherknappheit gespielt. Der Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz bindet Kapazitäten, was den Anbietern spürbare Preismacht verschafft. Wie lange diese "Story" noch gespielt wird, bleibt abzuwarten.
Wichtigste Wettbewerber sind Samsung Electronics und Micron Technology.
Die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen stammen vom 5. August 2026. Der Umsatz stieg auf 8,97 Milliarden US-Dollar nach 1,90 Milliarden im Vorjahresquartal und übertraf die Analystenerwartung von rund 8,4 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 39,25 US-Dollar gegenüber 0,29 US-Dollar im Vorjahr und über der Schätzung von 34,59 US-Dollar. Für das laufende Quartal stellt das Management 10,30 bis 10,80 Milliarden US-Dollar in Aussicht und kündigte ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 14 Milliarden US-Dollar an. Die Prognose blieb unter den Markterwartungen, sodass die Aktie zunächst 15 Prozent nachgab.
Charttechnisch könnte sich die Aktie zu einem Leerverkaufskandidaten am gleitenden 50 Tagedurchschnitt (GD) entwickeln. Von ihrem Allzeithoch Ende Juni ist die Aktie knapp 60 Prozent gefallen. Dann kam es zu einer Rallye zurück zum 50 GD. Dieser hat in der Zwischenzeit nicht nur angefangen zu fallen, sondern er scheint auch als Widerstand zu agieren. Beides ist für ein "Short"-Setup konstruktiv. Gestern schaute die Aktie kurz über den 50 GD, drehte dann um und schloss nahe des Tagestiefs und unterhalb des 50 GD. Unter dem Tief von gestern kann eine Leerverkaufsposition eröffnet werden.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox
Astera Lab - Der stille Gewinner des Rechenzentrumsausbaus gehört auf die Leerverkaufswatchliste
Astera Labs (ALAB gehört zu den Unternehmen, die am Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz unmittelbar verdienen. Gegründet wurde die Firma 2017 in San Jose von drei früheren Halbleiterentwicklern, der Börsengang folgte im März 2024.
Das Geschäft beruht auf Halbleitern und Software, die Daten zwischen Prozessoren, Beschleunigern, Speicher und Netzwerken innerhalb eines Serverschranks bewegen. Die Produktfamilie "Aries" frischt Signale auf der PCIe Schnittstelle auf, damit sie über längere Strecken stabil bleiben. Die Familie "Scorpio" besteht aus Schaltbausteinen, die viele Beschleuniger zu einem gemeinsamen Rechenverbund verbinden. Hinzu kommen Ethernet Kabelmodule der Reihe "Taurus" sowie die Verwaltungssoftware "Cosmos", die dem Betreiber Fehlerdiagnose und Überwachung ermöglicht.
Der Markt spielt hier die "Story", dass die Verbindungstechnik zum Engpass des KI-Ausbaus wird. Je größer die Rechenverbünde, desto mehr Bausteine je Beschleuniger werden benötigt.
Im Wettbewerb stehen vor allem Broadcom und Marvell Technology.
Am 4. August 2026 legte das Unternehmen die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Umsatz stieg auf 392,4 Millionen US Dollar nach 191,9 Millionen im Vorjahresquartal und lag über der Erwartung von rund 361 Millionen. Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug 0,80 US-Dollar nach 0,44 US-Dollar und übertraf die Schätzung der Analysten von 0,69 US-Dollar. Für das dritte Quartal stellte die Führung 540 bis 560 Millionen US Dollar Umsatz in Aussicht, deutlich über dem Konsens von etwa 418 Millionen.
Charttechnisch benötigt die Aktie noch etwas Zeit für ein ideales "Short"-Setup. Nach einer sehr starken Rallye in 12 Monaten von 90 USD bis zum Allzeithoch bei 499 USD (Ende Juni) brach die Aktie um gut 50 Prozent ein. Dann kam sie zweimal zurück zum 50 GD. Beides waren gute Leerverkaufssetups. Aktuell würde sie eine Rallye in einen gleitenden Durchschnitt wie den 50 GD benötigen, damit sie für Morales und Kacher von Interesse wäre. Der 50 GD ist fallend. Es bietet sich an, die Aktie auf die Watchliste zu legen.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox
Micron Technologies – Der Speichermangel trägt den Konzern in Rekordregionen, und gleichzeitig könnte die Rallye vorübergehend zu Ende sein
Micron Technology (MU) zählt zu den größten Profiteuren des Speicherbooms rund um künstliche Intelligenz und zu einer der Top-Leaderaktien des ersten Halbjahres 2026.
Der Konzern wurde 1978 in Boise im US-Bundesstaat Idaho gegründet und ist heute neben Samsung und SK Hynix einer von drei Anbietern, die den Weltmarkt für Speicherchips beherrschen.
Das Geschäftsmodell beruht auf dem Verkauf dieser Chips. Wichtigstes Standbein ist DRAM ("Dynamic Random Access Memory", also dynamischer Arbeitsspeicher), das im jüngsten Quartal 76 Prozent des Umsatzes ausmachte. Die zweite Säule ist NAND-Flash, ein dauerhafter Speicher für Serverlaufwerke und Endgeräte. Das margenstärkste Produkt ist HBM ("High Bandwidth Memory", Speicher mit hoher Bandbreite). Das sind gestapelte Chips, die unmittelbar neben den Rechenbeschleunigern in Rechenzentren sitzen. Kunden sind Betreiber von Rechenzentren sowie Hersteller von Mobiltelefonen, Computern und Fahrzeugen.
Der Markt spielt derzeit die "Story" eines strukturellen Mangels. Weil Fertigungskapazität in die lukrative Bandbreitenspeicher-Produktion wandert, sind die Preise für herkömmlichen Arbeitsspeicher 2026 kräftig gestiegen. Branchendienste berichten, die Kapazitäten aller drei Hersteller seien für 2027 bereits vergeben. Wie lange diese Knappheit trägt, ist offen.
Die zuletzt veröffentlichten Zahlen stammen vom 24. Juni 2026. Der Umsatz stieg auf 41,56 Mrd. USD nach 9,30 Mrd. USD im Vorjahresquartal, während Analysten 35,8 Mrd. USD erwarteten. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 25,11 USD nach 1,91 USD. Die Erwartung der Wall Street belief sich auf etwa 20,30 USD. Für das laufende Quartal stellt die Führung rund 50 Mrd. USD Umsatz in Aussicht. Zudem meldete Micron 16 mehrjährige Kundenvereinbarungen.
Der Chart hat Ähnlichkeit zu dem von Sandisk. Nach einer atemberaubenden Rally von 126 US-Dollar auf 1255 US-Dollar in 12 Monaten brach die Aktie zwischen Ende Juni und Ende Juli um gut 40 Prozent ein. Dann kam es unter abnehmendem Handelsvolumen zu einer Rallye zurück zum 50 GD, der in der Zwischenzeit damit begonnen hat zu fallen. Das ist konstruktives Chartverhalten für ein "Short"-Setup. Außerdem scheint der 50 GD als Widerstand zu agieren. Zusätzlich steht die Aktie knapp vor einer schrägen nach oben gerichteten Widerstandslinie. Wird diese nach unten gebrochen, könnte es schnell stärker in Richtung Süden gehen.
Gestern hätte man unter dem Tief von Montag eine Test-Leerverkaufspositionen eröffnen können. Vermutlich wäre man über dem Hoch von Montag ausgestoppt worden. Es ist nicht unüblich, dass beim "Shorten" mehrere Versuche notwendig sind. So kann unter dem Tief von gestern eine neue "Short"-Position eröffnet werden, sofern die Widerstandslinie ebenfalls gebrochen wird. Falls die Aktie jedoch das Hoch von gestern herausnimmt, dann dreht sich das Bild um, und sie wäre eher ein "Long"-Kandidat. Beim "Shorting" ist mentale Flexibilität sehr wichtig.
Es gilt die Quartalszahlen vom Broadcom, die heute nachbörslich vorgelegt werden sollen, im Auge zu halten. Denn sie könnten auch Auswirkungen auf Micron Technologies und Sandisk haben.







