Die Technologie- und Rüstungskonzerne OHB und Rheinmetall haben vom Bundeskartellamt grünes Licht für ihr geplantes Satelliten-Joint-Venture erhalten. Kartellamtspräsident Andreas Mundt begründete die Entscheidung am Donnerstag damit, dass der Raumfahrtkonzern OHB und Rheinmetall Digital in völlig unterschiedlichen Bereichen tätig seien. "Sie wollen ihre Kompetenzen bündeln, um gemeinsam ein Angebot in einer Arbeitsgemeinschaft abgeben zu können", erklärte Mundt. Daher gebe es keinerlei wettbewerbliche Bedenken gegen die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens. Mit dieser formellen Freigabe bereiten sich die Partner darauf vor, sich um einen milliardenschweren Auftrag der Bundeswehr für das Projekt SATCOMBw 4 zu bewerben. Ziel ist der Aufbau eines militärischen Kommunikationssystems im niedrigen Erdorbit, analog zum Starlink-Netzwerk des US-Unternehmens SpaceX. OHB soll in diesem Konstrukt die Produktion der Satelliten sowie die Errichtung der dazugehörigen Bodenstationen übernehmen. Rheinmetall verantwortet im Gegenzug die Netzwerkinfrastruktur sowie die Endnutzergeräte für die Truppe. Obwohl eine solche Direktvergabe aufgrund fehlender Konkurrenz und potenziell höherer Preise im Haushaltsausschuss des Bundestages kritisch gesehen werden könnte, bewertet die Bundeswehr den Zusammenschluss als vorteilhaft. Die militärische Führung favorisiert diese Lösung, um das Vorhaben zügig umzusetzen und langwierige Rechtsstreitigkeiten von unterlegenen Bietern nach einer Einzelvergabe zu vermeiden.
OHB verknüpft seine hochauflösenden Optik-Satelliten nahtlos mit den digitalen Bodenstationen des Partners Rheinmetall
OHB baut derzeit seine Kapazitäten im Bereich der militärischen Weltrauminfrastruktur aus und entwickelt nach den erfolgreichen SARah-Radaraufklärungssatelliten neue hochauflösende optische Systeme, die der Bundeswehr eine ununterbrochene, globale Lagebildführung ermöglichen. Rheinmetall konzentriert sich gleichzeitig auf die Verarbeitung dieser orbitalen Daten für den Einsatz am Boden. Der Konzern forciert die Digitalisierung landbasierter Operationen und entwickelt abhörsichere, lasergestützte Kommunikationsnetzwerke für Gefechtsfahrzeuge. Das Joint Venture verknüpft somit OHBs Sensorik im Weltraum direkt mit der digitalen Wirkungskette von Rheinmetall am Boden.
OHB und Rheinmetall visieren für das Jahr 2026 historische Umsatz- und Gewinnrekorde an
Wirtschaftlich agieren beide Konzerne aus einer Position der Stärke heraus. OHB schloss das vergangene Geschäftsjahr 2025 mit einem Nettogewinn von rund 50 Mio. Euro ab. Dank eines Rekordauftragseingangs von fast 2,1 Mrd. Euro blickt die Konzernführung mit Zuversicht auf das laufende Jahr. Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert OHB einen weiteren Anstieg des Nettogewinns auf rund 60 Mio. Euro, wobei bereits das 1. Quartal eine äußerst positive Tendenz aufweist. Auch Rheinmetall peilt nach einem starken Jahr 2025 mit knapp 10 Mrd. Euro Umsatz und einem Nettogewinn von rund 1,2 Mrd. Euro neue Höchstwerte an. Für 2026 rechnet das Management aus Düsseldorf mit einem weiteren starken Umsatzsprung auf 14,0 bis 14,5 Mrd. Euro bei einem zu erwartenden Nettogewinn von über 1,7 Mrd. Euro, gestützt durch einen historischen Auftragsbestand von aktuell 63,8 Mrd. Euro.
Die Bundeswehr erhält künftig die komplette Weltrauminfrastruktur aus einer Hand
Die genehmigte Allianz markiert für die Bundeswehr den Übergang von einer stückwerkhaften Beschaffung hin zu voll integrierten Systemlösungen, bei denen OHB die treibende Kraft im Orbit darstellt. Anstatt Satelliten, Bodenstationen und die Funkgeräte der Soldaten als getrennte Komponenten in langwierigen Verfahren einzeln auszuschreiben, beauftragt der Bund ein geschlossenes Hardware- und Software-System aus einer Hand. Dies reduziert technische Schnittstellenprobleme, wenn beispielsweise OHB-Aufklärungssatelliten ihre Daten künftig direkt in die digitalen Führungssysteme eines von Rheinmetall gebauten Schützenpanzers einspeisen. Auf diese Weise dürfte sich die Reaktionszeit der Truppe bei der Zielerfassung messbar verkürzen.






