Die Investoren im Quantensektor haben turbulente Monate hinter sich. Geprägt war diese Zeit von einer Reihe von Börsengängen, technischen Durchbrüchen und der Warnung, dass die disruptive Kraft der Quantentechnologie früher als erwartet Realität werden könnte. Doch es steht noch mehr bevor.
Auftritt: Pasqal
Das französische Quanten-Startup plant seinen Börsengang für die 2. Jahreshälfte. Pasqal hat einer Fusion mit der Bleichroeder Acquisition Corp. II zugestimmt, einer Zweckgesellschaft (SPAC). Die Transaktion bewertet das Startup vor der Kapitalspritze mit 2 Mrd. USD. Das künftige Unternehmen wird an der Nasdaq gelistet, was Pasqals offiziellen Eintritt in den US-Markt markiert. Tatsächlich schlägt Pasqal dort schon länger Wurzeln, unter anderem als Mitglied des IBM Quantum Network und als Partner von Nvidia. "Dies ist ein entscheidender erster Schritt für uns, um ein echtes globales Unternehmen zu werden und Zugang zu dem Kapital und der Markttiefe zu erhalten, die dafür erforderlich sind", sagte CEO Wasiq Bokhari in einem Interview mit Barron’s.
Der Wettbewerb im "Hotbed" Europa
Mit diesem Schritt tritt Pasqal in direkten Wettbewerb mit anderen börsennotierten Playern wie Infleqtion und Xanadu, die erst dieses Jahr ihr Börsendebüt feierten. Bokhari ist jedoch überzeugt, dass die differenzierte Technologie des Unternehmens, gepaart mit seinem Ruf als Marktführer in Europa, ausreichen wird, um sich abzuheben. Europa gilt weithin als Brutstätte für Quanten-Innovationen. Die Region beheimatet fast ein Drittel der weltweiten Quantenunternehmen und liegt damit vor den USA und China. Rückstand gibt es lediglich bei den Patenten: Hier führt China massiv, gefolgt von den USA.
Innerhalb Europas versucht Frankreich, sich als Pionier zu positionieren. Das Land startete 2021 einen Fünfjahresplan im Wert von 1,8 Mrd. Euro, um Frankreich unter den Top 3 der weltweiten Quanten-Spitzenreiter zu etablieren. Pasqals bevorstehendes Börsendebüt ist ein Schritt in diese Richtung und signalisiert, dass Frankreich eines der wenigen Länder ist, denen es gelungen ist, die junge Technologie in marktfähige Werte zu skalieren.
Nobelpreis-Wurzeln und Neutralatome
Das Aushängeschild des Unternehmens ist sein Gründerteam. Der Physiker Alain Aspect wurde 2022 mit dem Nobelpreis für seine Experimente mit verschränkten Photonen ausgezeichnet, das Fundament, auf dem Pasqal aufgebaut wurde. Das Unternehmen entstand 2019 als Spin-off des französischen Institut d’Optique Graduate School. Bokhari kam 2023 an Bord und wurde letztes Jahr zum Executive Chairman ernannt.
Die Quantensysteme von Pasqal nutzen die Neutralatom-Technologie. Dabei werden einzelne Atome in einem Vakuum mittels Laserstrahlen eingefangen und manipuliert. Diese Atome fungieren als Qubits (die Grundeinheit der Information in einem Quantencomputer), die sowohl im Analog- als auch im Digitalmodus arbeiten können. "Wenn wir Neutralatome verwenden, verbinden sie sich im Wesentlichen über Licht miteinander", erklärte Bokhari. "Wir haben keine Verkabelung zwischen den Atomen. Infolgedessen ist das System leicht skalierbar, sodass wir zehntausende Qubits in jedem Quantencomputer unterbringen können."
Ein Quantencomputer für das Rechenzentrum
Die besonderen Eigenschaften dieser Computer führen dazu, dass sie weniger Strom benötigen, etwa im Bereich von wenigen Kilowatt, was vergleichbar mit einem herkömmlichen Backofen ist. Zudem arbeiten Pasqals Systeme bei Zimmertemperatur. Das macht sie ideal für Rechenzentren, wo Bokhari sie künftig Seite an Seite mit GPUs und CPUs sieht.
Doch das ist Zukunftsmusik. Aktuell konzentriert sich das Unternehmen darauf, seine Präsenz in den USA auszubauen, wozu auch die Wahl von Chicago als US-Hauptsitz gehört. Pasqal hat zugesagt, mehr als 65 Mio. USD in diesen Standort zu investieren und dort 50 Vollzeitstellen zu schaffen. Laut Bokhari ist dies eine lohnende Investition: "Die USA machen einen sehr großen Teil des Weltmarktes aus, etwa 20 %. Wir hatten daher immer geplant, dort eine robuste Präsenz aufzubauen."
Globale Expansion
Das Unternehmen unterhält einen weiteren Hauptsitz in Kanada sowie wichtige Kunden weltweit: Saudi-Arabien: Partnerschaft mit dem frühen Investor Saudi Aramco, um dort den ersten Quantencomputer des Landes zu installieren. Südkorea: LG Electronics ist seit November ein wichtiger strategischer Partner.
Wie seine spezialisierten Konkurrenten befindet sich Pasqal noch in der frühen Phase der Kommerzialisierung und schreibt bisher keine schwarzen Zahlen. Doch der Börsengang signalisiert den Vorstoß in einen Markt, in dem die Anwendungsfälle für diese Technologie allmählich sichtbar werden. Pasqal ist ein Unternehmen, das man im Auge behalten sollte.

Diese Infografik veranschaulicht den geplanten Börsengang des Quantencomputing-Unternehmens Pasqal, indem sie Details zu den finanziellen Eckdaten, der zugrundeliegenden Neutralatom-Technologie, der globalen Strategie sowie den strategischen Partnern und dem Wettbewerb in einem strukturierten Layout zusammenfasst.







