The Trade Desk, ein Anbieter einer Self-Service-Plattform für Anzeigenkäufer, meldete gemischte Ergebnisse für das 4. Quartal und gab eine unterdurchschnittliche Prognose ab, was die Aktien am 13.02.2025 stark fallen ließ. Das Management nannte dabei eine "Reihe kleiner Ausführungsfehler" als Ursache. "Viele der [Fehltritte] sind auf menschliche Fehler zurückzuführen, die nicht öffentlich diskutiert werden sollten, insbesondere wenn die Menschen bereits aus ihren Fehlern lernen", teilte das Unternehmen seinen Investoren mit.
Der Gewinn lag über den Erwartungen, während der Umsatz enttäuschte
Das in Kalifornien ansässige Unternehmen meldete für das 4. Quartal einen bereinigten Gewinn je Aktie von 0,59 USD und einen Umsatz von 741 Mio. USD. Während der Gewinn die Konsensschätzung von 0,57 USD übertraf, blieb der Umsatz hinter der Prognose des Unternehmens von mindestens 756 Mio. USD und der Konsensschätzung von 758,94 Mio. USD zurück. Dennoch stellte die Leistung im 4. Quartal eine Verbesserung gegenüber den 0,41 bzw. 606 Mio. USD des Vorjahres dar. Das EBITDA lag bei mit 350 Mio. USD ebenfalls leicht unter der Prognose von 363 Mio. USD.
Jeff Green, CEO von Trade Desk, sagte: "The Trade Desk hat im Jahr 2024 erneut fast jedes Segment der digitalen Werbung übertroffen und einen Umsatz von 2,4 Mrd. USD erzielt, was einem beschleunigten Wachstum von 26 % gegenüber dem Vorjahr entspricht und einen Rekord von 12 Mrd. USD an Ausgaben auf unserer Plattform." Doch die Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen des Unternehmens zurück, fügte er hinzu.
Das Management selbst äußert sich enttäuscht, gelobt jedoch Besserung
Das Management gab weitere Einblicke in die Ergebnisse. "Wir sind enttäuscht, dass wir im 4. Quartal hinter unseren eigenen Erwartungen zurückgeblieben sind", sagte CEO Jeff Green. "Im Dezember haben wir eine Umstrukturierung vorgenommen, um Chancen in den Bereichen CTV [Connected TV], Einzelhandelsmedien, Identität, Lieferkettenoptimierung und Audio zu beschleunigen und gleichzeitig Innovationen wie Kokai und das Ventura-Betriebssystem voranzutreiben."
Trade Desk prognostizierte für das 1. Quartal einen Umsatz von mindestens 575 Mio. USD gegenüber der Schätzung von 582,21 Mio. USD und ein bereinigtes EBITDA von etwa 145 Mio. USD. Green sagte: "Im Jahr 2025 und darüber hinaus sind wir einzigartig positioniert, um unseren Kunden dabei zu helfen, die datengesteuerte Werbung im Premium-Internet voll auszunutzen und ihnen dabei zu helfen, Wachstum und Markentreue für ihre Unternehmen voranzutreiben." Das Unternehmen möchte als Reaktion auf die schlechten Zahlen einen 15-Punkte-Aktionsplan umsetzen, der darauf abzielt, die Fehler des 4. Quartals zu beheben.
Die Weichen für erneutes Wachstum sind gestellt
Die Werbetechnologiefirma sieht vor allem in Joint Ventures erhebliche Chancen. Hier könnte man tendenziell um etwa 50 % schneller wachsen als im normalen Geschäft. Auch die Audio-Werbung und Connected TV sollen als wichtige Säulen für zukünftiges Wachstum beibehalten werde. Während letzteres bereits einen erheblichen Beitrag zu den Einnahmen von TTD leistet, macht ersteres derzeit einen kleinen Teil des Budgetmixes aus. Das Unternehmen möchte außerdem die Effizienz und Transparenz der Werbesupply-Chain verbessern, um die Kosten zu senken und die Gesamteffektivität digitaler Kampagnen zu steigern. Hier hat man auch jüngst eine Übernahme des Metadaten-Unternehmens Sincara getätigt, die voraussichtlich im 1. Quartal 2025 abgeschlossen sein wird.
Ferner gibt es Spekulationen darüber, dass sich Google möglicherweise für einen Ausstieg aus dem offenen Web entscheiden, um seine Kartellprobleme zu lösen. Dies würde The Trade Desk zugutekommen, da Google ein Konkurrent im Bereich programmatischer Werbung ist.
Was sagten die Analysten zu den Zahlen?
Die Analysten von Oppenheimer unter der Leitung von Jason Helfstein, welche die Aktien mit Outperform und einem Kursziel von 115 USD bewerten, äußerten sich dazu, wie ungewöhnlich das Verfehlen der Erwartungen gewesen seien. "TTD hat zum ersten Mal in den letzten 33 Quartalen Umsatz verloren, da die Next-Gen-Plattform Kokai langsamer angenommen wurde", so die Analysten. "Wir führen das Versagen auf mangelnde Aufsicht/Entscheidungsfindung zurück, da TTD auf ca. 4.000 Mitarbeiter angewachsen ist und eine zunehmend kompliziertere Markteinführungsstrategie verfolgt, die sowohl Werbeagenturen als auch Werbetreibende mit sich überschneidenden Teams anspricht." Kokai ist dabei die künstliche Intelligenzplattform des Unternehmens.
Guggenheim-Analysten haben ihre Kaufempfehlung bekräftigt, jedoch ihr Kursziel von 150 auf 110 USD gesenkt. "Die Reorganisation, welche die größte in der Unternehmensgeschichte war, soll die Klarheit, Effektivität und Ressourcenverteilung verbessern und agilere Teams schaffen, um The Trade Desk besser für langfristiges Wachstum zu positionieren", schrieben sie und fügten hinzu, dass sie "weiterhin von den langfristigen Geschäftsmöglichkeiten überzeugt sind".