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US-Biotechsektor mit zwei Pivotal News Points in zwei Tagen. Diese Aktien gehören auf die Watchliste!

Bildherkunft: AdobeStock_2119402300

Am Dienstag gab es den ersten beachtlichen Pivotal News Point in dieser Woche, nachdem Amylyx Pharmaceuticals (AMLX) positive Ergebnisse aus seiner Phase-3-Studie LUCIDITY bekannt gegeben hatte. In der Studie wurde Avexitide untersucht. Das ist ein experimenteller Wirkstoff zur Behandlung von postbariatrischer Hypoglykämie. Hierbei handelt es sich um eine wiederkehrende, teilweise schwere Unterzuckerung nach einer bariatrischen Operation, also einer Operation zur Gewichtsreduktion wie einem Magenbypass. Sie tritt typischerweise erst Monate bis Jahre nach der Operation auf und meistens 1–4 Stunden nach einer Mahlzeit.

Die Studie zeigte, dass Avexitide Hypoglykämie-Ereignisse der Stufen 2 und 3 im Vergleich zu Placebo um 55 % reduzierte. Solche schwereren Unterzuckerungen können unter anderem Verwirrtheit, Schwäche, Bewusstlosigkeit und in schweren Fällen Krampfanfälle verursachen. Außerdem ist es wichtig zu betonen, dass die Studie sowohl die mit der FDA vereinbarten primären als auch sekundären Endpunkte erreichte. Damit steigen die Chancen, dass Amylyx den Wirkstoff zur Zulassung einreichen kann.

Diese News elektrisierten die Märkte. Die Aktie schoss um 65 % nach oben und brach auf ein neues 3,5 Jahreshoch aus. Gestern folgten Anschlusskäufe. Das ist sehr bullisch.

Am gestrigen Mittwoch folgte der der zweite große Pivotal News Point für den Biotech-/Medizinsektor. Moderna und Merck haben einen wichtigen Erfolg bei der Entwicklung eines personalisierten Krebsimpfstoffs gegen Melanome (eine besonders gefährliche Form von Hautkrebs, die auch als schwarzer Hautkrebs bezeichnet) erzielt. In einer Phase-3-Studie mit mehr als 1.100 Patienten zeigte die Kombination aus Modernas mRNA-Krebsimpfstoff und Mercks Immuntherapie Keytruda bessere Ergebnisse als Keytruda allein.

Der Impfstoff wird individuell für jeden Patienten hergestellt. Dafür werden die spezifischen Mutationen des jeweiligen Tumors analysiert. Anschließend soll der Impfstoff das Immunsystem darauf trainieren, Krebszellen mit genau diesen Merkmalen zu erkennen und anzugreifen. Keytruda unterstützt das Immunsystem zusätzlich beim Kampf gegen den Krebs.

Die Studie erreichte ihr wichtigstes Ziel: Patienten, die die Kombination erhielten, lebten signifikant länger, ohne dass der Krebs zurückkehrte. Außerdem sank das Risiko, dass sich der Krebs auf entfernte Körperregionen ausbreitet. Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen.

Die Ergebnisse sind besonders bedeutend, weil Melanome zwar nur etwa 1 % aller Hautkrebserkrankungen ausmachen, aber für den Großteil der Todesfälle durch Hautkrebs verantwortlich sind.

Die Börse reagierte extrem bullisch: Moderna stieg um rund 175 Prozent, Merck um mehr als 12 Prozent. Weitere Daten, insbesondere zum Gesamtüberleben, stehen noch aus. Beide Unternehmen testen die Technologie außerdem bei Lungen-, Blasen- und Nierenkrebs. Bei weiteren Erfolgen könnte der Ansatz eine neue Klasse personalisierter Krebstherapien etablieren.

Seit einigen Monaten zeigt sich der Biotechsektor von seiner ganz starken Seite. Ein wichtiger Katalysator dafür ist die künstliche Intelligenz (mehr dazu siehe https://aktienmagazin.de/blog/aktienanalysen/us-biotechaktien-mit-relativer-starke-diese-gehoren-auf-die-watchliste-175847.html ).

Schauen wir uns einige Aktien aus dem Sektor an, die durch relative Stärke auf sich aufmerksam machen.

Corcept Therapeutics – Biotech-Spezialist für das Stresshormons Cortisol steht am Allzeithoch

Corcept Therapeutics (CORT) wurde 1998 gegründet und hat seinen Sitz in Kalifornien. Seit über 25 Jahren dreht sich alles um ein Thema: die gezielte Steuerung des Stresshormons Cortisol.

Das Geschäftsmodell beruht auf dem Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamente. Die erste Säule ist Korlym, das seit 2012 zur Behandlung des endogenen Cushing Syndroms (eine Erkrankung mit dauerhaft erhöhtem Cortisolspiegel) zugelassen ist. Die zweite Säule ist Lifyorli, das die Arzneimittelbehörde FDA im März 2026 zuließ. Es ist der erste zugelassene selektive Blocker des Glukokortikoid Rezeptors und wird in Kombination mit einer Chemotherapie bei platinresistentem Eierstockkrebs eingesetzt. Hinzu kommen Studien in der Onkologie sowie bei Nerven und Lebererkrankungen.

Die übergeordnete "Story" des Marktes lautet: Krankhaft erhöhte Cortisolwerte sind deutlich häufiger als lange angenommen, vor allem bei Diabetes. Zugleich wandelt sich Corcept Therapeutics vom Anbieter eines einzigen Medikaments zu einem Unternehmen mit zwei Erlösquellen.

Im Wettbewerb steht das Unternehmen mit Xeris Biopharmaceuticals und Recordati.

Am 29. Juli 2026 meldete Corcept Therapeutics die Zahlen zum zweiten Quartal. Der Umsatz stieg um 32 Prozent auf 256 Millionen US Dollar und lag klar über der Erwartung von rund 220 Millionen. Der Gewinn je Aktie stieg um 20 Prozent auf 0,36 US Dollar, während Analysten keinen Gewinn erwarteten. Die Jahresprognose wurde auf 1,1 bis 1,2 Milliarden US Dollar angehoben.

Die Aktie schoss in Folge dieser erfreulichen Zahlen um bis zu 30 Prozent nach oben. Im Anschluss setzten Gewinnmitnahmen ein. Die Aktie kam zum gleitenden 10 Tagedurchschnitt (GD) zurück. Dieser stellte sich als Unterstützung heraus. Nun steht die Aktie wieder am Allzeithoch. Nach vier Plustagen in Folge wünsche ich mir eine Konsolidierung am Allzeithoch. Dem Ausbruch aus dieser Konsolidierung kann gefolgt werden.

Corcept Therapeutics Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Twist Bioscience – Spezialist für synthetische Erbgutstränge mit neuem 4,5 Jahreshoch dank einer Performance von 75% in 3 Wochen

Das in 2013 in San Francisco gegründete Unternehmen Twist Bioscience (TWST) hat eine revolutionäre Technologie zur Herstellung synthetischer Erbgutstränge entwickelt.

Das Kerngeschäft untergliedert sich in zwei Bereiche: DNS-Synthese und Proteinlösungen einerseits sowie Produkte für die Genomsequenzierung andererseits. Das Unternehmen hat eine Plattform entwickelt, die synthetische Erbgutstränge — also künstlich hergestellte DNS-Sequenzen — mit einer Präzision und Kosteneffizienz produziert, die mit klassischen chemischen Verfahren nicht erreichbar war. Der entscheidende technologische Vorteil ist ein Siliziumchip, auf dem Hunderttausende DNS-Stränge gleichzeitig und fehlerfrei geschrieben werden können. Twist verkauft diese maßgeschneiderten Erbgutstränge an Pharmaunternehmen, Biotechfirmen und Forschungsinstitute für die Entwicklung von Antikörpern, für die Genomsequenzierung oder für die KI-gestützte Medikamentenforschung. Das Unternehmen liefert damit gewissermaßen den Rohstoff, ohne den moderne Biologie und Medikamentenentwicklung heute nicht mehr denkbar wären.

Die "Story", die der Markt aktuell spielt, sieht wie folgt aus: Die steigende Nachfrage aus der durch künstliche Intelligenz beschleunigten Medikamentenentwicklung treibt den Bedarf an synthetischer Biologie stark an. AWS hat Twist kürzlich als Labortechnik-Partner für seine KI-gestützte Medikamentenentwicklungsplattform benannt, was diese Einschätzung unterstreicht.

Wettbewerber sind Integrated DNA Technologies und Agilent Technologies.

Am 3. August 2026 wurden die Quartalszahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf einen Rekordwert von 118 Millionen US-Dollar und übertraf die Analystenerwartung von 115 Millionen. Der Verlust je Aktie lag bei 0,56 US-Dollar, verglichen mit einem Gewinn von 0,33 US-Dollar im Vorjahresquartal und einem erwarteten Verlust von 0,48 US-Dollar. Die Jahresumsatzprognose wurde auf 456 bis 457 Millionen US-Dollar angehoben. Für das laufende Schlussquartal peilt das Unternehmen erstmals die bereinigte Gewinnschwelle an. Parallel platzierte Twist neue Aktien zu 96 US-Dollar und nahm rund 300 Millionen US-Dollar für Forschung und Kapazitätsausbau ein.

Die Aktie brach zunächst um 12 % ein, nur um dann im Tagesverlauf eine Kehrtwende zu machen und mit +10 % zuschließen.  Seit der Veröffentlichung der Zahlen hat die Aktie eine Rallye hingelegt. Insgesamt sahen wir eine Performance von ca. 75 %. Das ist extrem bullisch. Dem gestrigen Ausbruch hätte am folgen können. Aktuell sehe ich kein Einstiegsszenario. Die Aktie gehört trotzdem auf die Watchliste.

Twist Bioscience Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Kiniksa Pharmaceuticals – Kleines, profitables Biotechnologieunternehmen steht am Allzeithoch

Kiniksa Pharmaceuticals (KNSA) gehört zu den wenigen kleineren Biotechnologieunternehmen, die bereits schwarze Zahlen schreiben. Gegründet wurde die Firma 2015 in Massachusetts, der Börsengang folgte 2018.

Das Geschäft ruht bislang auf einem einzigen zugelassenen Präparat: ARCALYST mit dem Wirkstoff Rilonacept. Das Mittel fängt zwei entzündungsfördernde Botenstoffe des Immunsystems ab und wird wöchentlich unter die Haut gespritzt. Hauptanwendung ist die wiederkehrende Herzbeutelentzündung, ein schmerzhaftes Leiden mit hoher Rückfallquote. Hinzu kommen zwei seltene erbliche Fiebersyndrome. Die Erlöse stammen nahezu vollständig aus dem amerikanischen Vertrieb. In der Entwicklung stehen KPL-387, das nur einmal monatlich gespritzt werden soll, sowie KPL-1161 mit vierteljährlicher Gabe.

Der Markt spielt die "Story", dass erst rund 21 Prozent der etwa 14.000 amerikanischen Patienten mit mehrfachen Rückfällen das Mittel von Kiniksa Pharmaceuticals erhalten. Somit gibt es noch viel Marktpotenzial. Zudem bevorzugen Investoren Biotechnologiewerte mit echtem Mittelzufluss statt reiner Forschungsfantasie/-story.

Im Wettbewerb stehen Sobi mit Kineret und Novartis mit Ilaris.

Am 28. Juli 2026 legte Kiniksa die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Umsatz stieg auf 244 Millionen US-Dollar nach 157 Millionen im Vorjahresquartal. Damit übertraf man die Erwartung von rund 226 Millionen. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,30 US-Dollar nach 0,23 US-Dollar im Vorjahr. Die Schätzungen der Wall Street konnten ebenfalls getoppt werden. Die Jahresprognose wurde auf 980 bis 995 Millionen US-Dollar angehoben. Die entscheidende Studie zu KPL-387 läuft, ein Marktstart wird für 2028 oder 2029 angestrebt.

Die Aktie schoss um knapp 30 % nach oben. Analog zu Corcept Therapeutics setzte die Aktie dann zum 10 GD zurück, der als Unterstützung zu dienen scheint. Nun steht sie knapp unterhalb des Allzeithochs. Dem Ausbruch auf ein neues Allzeithoch kann gefolgt werden.

Kiniksa Pharmaceuticals International Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

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