Es ist ein Rückschlag für die Trump-Regierung vor Gericht: Ein US-Bundesrichter hat die von der Administration verhängte "Stop-Work-Order" für Ørsteds Offshore-Windprojekt "Revolution Wind" mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. An der Börse sorgte das zunächst für deutliche Erleichterung – nach dem ersten Kurssprung gab die Aktie allerdings einen Teil der Gewinne wieder ab.
Der Rechtsstreit um mehrere Offshore-Windparks in den USA geht in die nächste Runde. Das US-Innenministerium hatte kurz vor Weihnachten 2025 überraschend Baustopp-Verfügungen erlassen. Nun hat ein Bundesgericht die Anordnung für "Revolution Wind" vorläufig gestoppt.
Richter Lamberth: Vorgehen "willkürlich und launisch"
Bundesrichter Royce Lamberth setzte die Verfügung in einer Eilentscheidung außer Kraft. Die Regierung hatte die sofortige Einstellung der Arbeiten am nahezu fertiggestellten Windpark vor Rhode Island mit "nationalen Sicherheitsbedenken" begründet.
In der Begründung fiel der Richter ungewöhnlich deutlich aus: Er bezeichnete das Vorgehen der Behörden als "nonsensical, arbitrary, and capricious" (unsinnig, willkürlich und launisch). Zudem habe die Regierung nicht nachvollziehbar dargelegt, warum ein Projekt in einem so weit fortgeschrittenen Bauzustand plötzlich eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen solle.
Hohe Stillstandskosten
Für Ørsted ist die Entscheidung operativ und finanziell relevant.
Baufortschritt: "Revolution Wind" gilt als zu rund 87 bis 90 Prozent fertiggestellt; Fundamente und Kabelinfrastruktur sind demnach bereits installiert.
Kosten: Laut Gerichtsdokumenten soll der Baustopp das Konsortium (Joint Venture mit Global Infrastructure Partners) rund 1,4 Mio. USD pro Tag gekostet haben.
Risiko: Ein längerer Stillstand hätte die Arbeiten in wetterbedingt ungünstigere Zeitfenster verschoben und die Inbetriebnahme deutlich verzögern können – mit entsprechend steigenden Kosten.
Signalwirkung für die Branche
Marktteilnehmer sehen in dem Fall über Ørsted hinaus Bedeutung für weitere Projekte. Auch Equinor ("Empire Wind") und Dominion Energy gehen gegen ähnliche Verfügungen vor. Ob und wie die US-Regierung nachlegt, dürfte damit ein zentraler Unsicherheitsfaktor für Offshore-Wind-Investments in den USA bleiben.
Börse: Entlastung, aber keine Entwarnung
Die Ørsted-Aktie reagierte nach Bekanntwerden der Entscheidung zunächst deutlich positiv, konnte das Plus aber nicht vollständig halten. Beobachter weisen darauf hin, dass der juristische Erfolg die politischen und regulatorischen Risiken nicht beseitigt: Weitere Schritte über Genehmigungsauflagen oder schifffahrtsrechtliche Vorgaben (u. a. Jones Act) sind weiterhin möglich.
Fazit: Das Projekt ist gerettet – vorerst
Mit der einstweiligen Verfügung ("Preliminary Injunction") dürfen die Installationsschiffe ab sofort wieder auslaufen. Ørsted hat nun ein enges Zeitfenster, um die verbleibenden Turbinen zu installieren und den Windpark ans Netz zu bringen, bevor der nächste politische Sturm aufzieht.








