In den frühen Morgenstunden eines Augusttages lud eine KI-Projektmanagerin bei Google die neueste Kreation aus dem DeepMind-Labor auf eine Plattform hoch, die KI-Modelle bewertet. Google war im KI-Rennen ins Hintertreffen geraten, während der Rivale OpenAI mit seinem Chatbot ChatGPT hunderte Millionen Nutzer angezogen hatte. Die Google-Forscher hofften, dass eine neue Funktion, ein blitzschneller Bildgenerator, dem Suchmaschinen-Riesen einen Vorteil bei einer Schwachstelle von ChatGPT verschaffen würde. Die Rede ist von Nano Banana.
Innerhalb weniger Tage belegte Nano Banana den Spitzenplatz in den Leistungsrankings auf der Plattform LM Arena, trendete auf X und übertraf Googles Nutzungserwartungen bei Weitem. Bis September war Googles Gemini-KI-App zur meistgeladenen App im Apple App Store geworden. Zwei Monate später brachte Google sein bisher leistungsstärkstes Gemini-Modell auf den Markt, das an den Konkurrenten vorbeizog und zum fähigsten KI-Chatbot wurde. Damit hatte das Tochterunternehmen von Alphabet OpenAI überholt und sich an die Spitze des KI-Feldes gesetzt.
Der schlafende Riese: Googles Weg zur KI-Supermacht
Als Sundar Pichai 2015 an die Spitze von Google rückte, war KI eine Technologie, die vor allem für Informatikforscher von Interesse war. Im darauffolgenden Jahr erklärte er, dass das Unternehmen voll auf KI setzen werde ("AI-first"). Google hatte bereits mit der Forschungsabteilung Google Brain den Grundstein gelegt, die 2011 von Jeff Dean mitbegründet wurde. Einige Jahre später erwarb Google DeepMind, das Londoner KI-Labor von Demis Hassabis. Zudem begann Google mit dem Design eigener KI-Chips, den TPUs (Tensor Processing Units). Diese Chips erwiesen sich als "Game Changer", da sie effizienter und leistungsstärker für KI-Anwendungen sind als herkömmliche Grafikchips.
Angst vor der eigenen Courage: Wie OpenAI die Führung übernahm
Anfangs verfolgte Google einen vorsichtigen Ansatz. Führungskräfte hatten Bedenken hinsichtlich der Sicherheit, da Chatbots ungenaue oder voreingenommene Informationen erzeugen könnten. Julia Winn, eine ehemalige Mitarbeiterin von Google Brain, erklärte, dass man Risiken bei Google extrem ernst nahm, was jedoch einige Forscher frustrierte, die das Unternehmen daraufhin verließen. Als OpenAI im November 2022 ChatGPT ohne große Einschränkungen veröffentlichte, war die Öffentlichkeit begeistert. Google-Mitarbeiter waren fassungslos, wie schnell sie überholt worden waren. Investoren fragten sich, ob Google die nächste große Technologiewelle verpasst hatte und ob Chatbots das Kerngeschäft, die Suche, zerstören würden.
Konterangriff "Magi": Sergey Brin und die Geburt von Gemini
Um die Suche neu zu erfinden, startete Google das Project Magi unter der Leitung von Liz Reid. Das Ziel: Die Suche so umzugestalten, dass sie direkt Antworten liefert, anstatt nur Links aufzulisten. Während OpenAI ChatGPT primär mit Text trainierte, trainierte Google Gemini von Anfang an "multimodal" auf Text, Code, Audio, Bildern und Video. Dieser technisch ehrgeizigere Ansatz zahlte sich aus. Sogar Mitbegründer Sergey Brin kehrte aus dem Ruhestand zurück, um aktiv an den technischen Details von Gemini mitzuarbeiten. Er half auch dabei, Top-Talente wie Noam Shazeer durch Milliarden-Akquisitionen zurück ins Boot zu holen.
Ironwood & Nano Banana: Googles technische Überlegenheit in Zahlen
Im Mai 2024 führte Google "AI Overviews" und später den "AI Mode" ein, eine Chatbot-Konversation innerhalb der Suche. Ein Gerichtsurteil im August 2024 half Google paradoxerweise: Ein Richter akzeptierte das Argument, dass Googles Monopol durch KI-Chatbots als neue Suchform effektiv beendet sei, wodurch extremere Strafmaßnahmen vermieden wurden. Der Erfolg von Nano Banana und Gemini 3 führte zeitweise zu Kapazitätsengpässen bei der Rechenleistung. Hier zeigt sich Googles härtester Vorteil: Die eigenen Chips.
Der neueste Chip namens Ironwood senkt die Kosten massiv und ist so begehrt, dass sogar Meta Interesse an Käufen im Milliardenwert zeigt. In seinem internen Memo zum Jahresende 2025 zeigte sich Sundar Pichai triumphierend: "Wir beenden das Jahr 2025 in einer großartigen Position. Wenn man bedenkt, wo wir vor nur einem Jahr standen, ist der Fortschritt unglaublich." Bis Oktober 2025 verzeichnete Gemini mehr als 650 Millionen monatliche Nutzer, gegenüber 450 Millionen im Juli.








