Der chinesische Elektroautohersteller XPeng treibt seine Expansion über das klassische Automobilgeschäft hinaus entschlossen voran. Neben intelligenten Elektrofahrzeugen und eigener Software für autonomes Fahren rückt nun auch die urbane Luftmobilität stärker in den Fokus. Mit der möglichen Abspaltung und einem Börsengang der Flugauto-Sparte unterstreicht XPeng seinen Anspruch, nicht allein Autobauer, sondern integrierter Mobilitätskonzern zu sein.
IPO könnte noch 2026 kommen
Konkret arbeitet XPeng an der Vorbereitung eines möglichen Börsengangs seiner Flugauto-Einheit Xpeng Aeroht in Hongkong. Für die Strukturierung einer Erstplatzierung wurden internationale Großbanken mandatiert, entsprechende Unterlagen sind bereits vertraulich eingereicht worden. Ein Listing könnte noch im Jahr 2026 erfolgen, auch wenn die finalen Details derzeit noch offen sind. Innerhalb des Konzerns gilt der Schritt als logische Konsequenz aus dem wachsenden operativen Rückenwind. Mit dem Erfolg im Kerngeschäft wolle man gezielt in weitere Zukunftstechnologien investieren, heißt es aus dem Unternehmensumfeld.
In Guangzhou sollen pro Stunde zwei Fluggeräte vom Band laufen
Xpeng Aeroht tritt international unter dem Namen Aridge auf und betreibt in Guangzhou eine hochmoderne Produktionsstätte mit einer Fläche von 120.000 Quadratmetern. Die Anlage ist langfristig darauf ausgelegt, alle 30 Minuten ein Fluggerät zu fertigen. Die erste serienmäßig produzierte fliegende Fahrzeugplattform soll planmäßig Ende 2026 an die Kunden ausgeliefert werden. Staatliche Förderprogramme für Flugtaxis und Drohnen unterstützen den Markthochlauf zusätzlich und verbessern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das ambitionierte Projekt.
Das Papier von XPeng gewann in den letzten zwölf Monaten 69 % hinzu
An der Flugauto-Sparte sind sowohl der Mutterkonzern als auch Unternehmensgründer, Verwaltungsrats- und Vorstandschef He Xiaopeng beteiligt. In früheren Finanzierungsrunden sammelte Xpeng Aeroht bereits 150 Mio. USD ein. Die Börse honoriert die technologische Ausrichtung insgesamt: Die Aktie von XPeng legte in den vergangenen zwölf Monaten um 69 % zu, die Marktkapitalisierung des Konzerns beläuft sich aktuell auf rund 19 Mrd. USD.
XPengs Software für autonomes Fahren meistert auch komplexe urbane Szenarien
Parallel dazu treibt XPeng seine Produkt- und Technologieoffensive im Kerngeschäft mit hoher Geschwindigkeit voran. Zuletzt brachte der Konzern eine neue Generation seiner Software für autonomes Fahren auf die Straße, die in ausgewählten chinesischen Metropolen weitgehend ohne hochauflösende Karten auskommt und stattdessen auf Kameras, Radar und eigene KI-Algorithmen setzt. In Pilotregionen bewältigen Fahrzeuge damit bereits komplexe Stadtbilder wie mehrspurige Kreuzungen, dichten Innenstadtverkehr und automatisierte Spurwechsel. Gleichzeitig erweitert XPeng sein Fahrzeugportfolio gezielt um neue Plug-in-Hybride, um zusätzliche Kundensegmente anzusprechen und Reichweitenbedenken zu reduzieren. Künftige Elektroplattformen sollen zudem kürzere Ladezeiten und niedrigere Produktionskosten ermöglichen. Vorstandschef He Xiaopeng formuliert den Anspruch klar: Man entwickle keine Autos mehr, die nur fahren, sondern Systeme, die lernen.
Im Jahresvergleich konnte XPeng den Nettoverlust um 79 % reduzieren
Finanziell spiegelt sich das Wachstum deutlich in den aktuellen Zahlen wider. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte XPeng einen Umsatz von rund 40,9 Mrd. CNY (etwa 5,3 Mrd. Euro). In den zurückliegenden zwölf Monaten kletterten die Erlöse auf rund 70,6 Mrd. CNY (circa 9,2 Mrd. Euro), getragen von stark steigenden Auslieferungen. Allein im 3. Quartal erreichte der Konzern Umsätze von mehr als 18 Mrd. CNY (rund 2,3 Mrd. Euro). Der Nettoverlust konnte im Jahresvergleich von ca. 1,81 Mrd. CNY (rund 220 Mio. Euro) auf 0,38 Mrd. CNY (rund 46 Mio. Euro) deutlich gesenkt werden. Diese Summe repräsentiert nichtsdestotrotz den weiterhin hohen Investitionsbedarf in Technologie, Software und neue Geschäftsfelder.
Fazit
XPeng zeigt sich als Unternehmen im Übergang. Das Kerngeschäft mit Elektrofahrzeugen wächst dynamisch, die operative Basis wird stabiler, und gleichzeitig werden mit Flugautos und autonomer Software gezielt Optionen für die nächste Dekade aufgebaut. Der geplante Börsengang der Aeroht-Sparte wäre weniger ein Experiment als vielmehr ein kalkulierter Schritt, um technologische Führungsambitionen finanziell abzusichern und die eigene Rolle im globalen Mobilitätsmarkt nachhaltig auszubauen.






