Marvell Technology hat im 2. Quartal des Fiskaljahres 2026 beeindruckende Ergebnisse vorgelegt. Der Halbleiterhersteller profitiert weiter von der boomenden Nachfrage im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und dem massiven Ausbau globaler Datenzentren. Doch trotz glänzender Zahlen reagierten Anleger enttäuscht – die Aktie verlor nachbörslich zweistellig, weil die Prognose für das laufende Quartal hinter den hohen Erwartungen zurückblieb.
Rekordumsatz und Gewinnsprung
Mit einem Umsatz von 2,006 Mrd. USD verzeichnete Marvell einen neuen Quartalsrekord. Das entspricht einem Wachstum von 58 Prozent im Jahresvergleich und sechs Prozent im Quartalsvergleich. Besonders bemerkenswert ist der Gewinnsprung: Das bereinigte Ergebnis je Aktie (Non-GAAP EPS) stieg auf 0,67 USD, ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der operative Cashflow kletterte ebenfalls deutlich auf 462 Mio. USD.
CEO Matt Murphy bezeichnete das Quartal als "bahnbrechend" für Marvell. "Unsere konsequente Ausrichtung auf den KI-Markt zahlt sich aus. Drei Viertel unseres Umsatzes stammen mittlerweile aus dem Datenzentrumsgeschäft", erklärte Murphy.
Datenzentren als Wachstumsmotor
Der mit Abstand wichtigste Treiber bleibt das Geschäft mit maßgeschneiderten Chips und optischen Verbindungsprodukten für Rechenzentren. Dieser Bereich erzielte im Quartal einen Umsatz von 1,49 Mrd. USD, was einem Wachstum von 69 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders die Nachfrage nach speziellen Beschleunigerchips für KI-Anwendungen ("Custom XPU") sowie Hochgeschwindigkeits-Interconnect-Lösungen treibt das Geschäft an.
Auch der jüngst präsentierte Ausbau der Design-Win-Pipeline verdeutlicht das Potenzial: Über 50 neue Projekte befinden sich in der Entwicklung, mit einem geschätzten Lebenszeitumsatz von 75 Mrd. USD. Damit unterstreicht Marvell seine Ambition, den Marktanteil im rasant wachsenden KI-Segment bis 2028 von 13 auf 20 Prozent auszubauen.
Fokus auf Kerngeschäft: Verkauf der Auto-Sparte
Ein weiteres Highlight war der Verkauf des Automotive-Ethernet-Geschäfts an Infineon für 2,5 Mrd. USD in bar. Der Schritt erlaubt Marvell, sich noch stärker auf die wachstumsstarken Sparten im Datenzentrumsgeschäft zu konzentrieren. "Diese Transaktion gibt uns zusätzlichen Spielraum, Kapital in unser Kerngeschäft zu investieren und gleichzeitig unser Aktienrückkaufprogramm fortzusetzen", betonte CFO Willem Meintjes.
Verhaltener Ausblick dämpft Euphorie
Für das laufende dritte Quartal stellt Marvell einen Umsatz von 2,06 Mrd. USD ±5 Prozent in Aussicht. Das entspricht einem Wachstum von 36 Prozent im Jahresvergleich, bleibt jedoch leicht unter den optimistischen Analystenschätzungen. Auch wenn die Margen stabil bleiben sollen, sorgte die vorsichtige Prognose für Ernüchterung an der Börse: Die Aktie verlor nachbörslich zeitweise über 10 Prozent.
Marktbeobachter sehen darin allerdings keine fundamentale Schwäche, sondern eher eine Folge der "Lumpiness" im Geschäft mit kundenspezifischen Chips, wo Umsatzverschiebungen zwischen den Quartalen üblich sind.
Analysten bleiben optimistisch
Trotz kurzfristiger Kursverluste bewerten Analysten Marvells mittelfristige Perspektiven überwiegend positiv. Der Mix aus führender Technologie im Bereich KI-Beschleuniger, optischer Hochgeschwindigkeitsverbindungen und maßgeschneiderten Chip-Designs verschafft dem Unternehmen eine starke Marktposition. "Marvell ist strategisch hervorragend aufgestellt, um von der anhaltenden Investitionswelle in KI-Rechenzentren zu profitieren", kommentierte ein Branchenexperte bei MarketWatch.
Fazit
Marvell positioniert sich zunehmend als Technologielieferant für den gesamten Bereich der KI-Infrastruktur. Den Aussagen des Managements zufolge ist die Pipeline gut gefüllt und lässt auf weiteres signifikantes Wachstum schließen. Der Ausblick für das dritte Quartal blieb jedoch leicht hinter den Markterwartungen zurück, was die Marvell-Aktie kurzfristig belastet.
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis um 20 auf Basis der erwarteten Gewinne für 2026 wirkt die Aktie angesichts des erwarteten Wachstums moderat bewertet. Doch um das Vertrauen des Marktes dauerhaft zurückzugewinnen, muss Marvell die hohen Erwartungen in den kommenden Quartalen auch erfüllen.