Für den US-Luxusmöbelanbieter RH (ehemals Restoration Hardware) war der Donnerstag ein rabenschwarzer Tag: Die Aktie verlor zeitweise bis zu 40 % ihres Werts und fiel auf ein neues Vierjahrestief von 149,95 USD. Hintergrund sind enttäuschende Geschäftszahlen, eine skeptische Prognose – und vor allem der massive Gegenwind durch neue US-Strafzölle auf Asienimporte. Hinzu kamen mehrere herbe Analystenabstufungen, die das Vertrauen der Märkte weiter erschütterten.
Quartalsbericht verfehlt Erwartungen deutlich
RH meldete für das 4. Quartal ein Umsatzminus von 12 % im Vergleich zum Vorjahr, bei gleichzeitig rückläufiger Marge. Die operative Marge fiel auf 13,6 %, nach 16,4 % im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen verwies auf gestiegene Lagerkosten und Rabattaktionen zur Verkaufsförderung.
Noch problematischer war der Jahresausblick für 2025: RH erwartet allenfalls stabile Umsätze und ein rückläufiges EBITDA – und das ohne die nun angekündigten Importzölle einzubeziehen.
Strafzölle verschärfen die Lage – Einkaufsseite massiv betroffen
Die neuen Zölle der Trump-Regierung treffen RH dort, wo es besonders schmerzhaft ist: Etwa 70 % der Produkte werden in Asien gefertigt, vor allem in China, Vietnam und Indien. Die angekündigten Zölle liegen teils bei über 50 % – eine Belastung, die die Kostenbasis drastisch erhöht.
Analysten senken Daumen – drastische Herabstufungen
Mehrere Analystenhäuser reagierten umgehend:
• BofA Securities stufte RH gleich zwei Stufen ab – von "Buy" auf "Underperform". Analyst Curtis Nagle reduzierte das Kursziel drastisch und identifizierte drei zentrale Risiken:
1. Höhere Kosten und Margendruck durch neue Zölle,
2. eine mögliche Kaufzurückhaltung im gehobenen Kundensegment,
3. sinkender Free Cashflow bei gleichzeitig hoher Verschuldung.
Dabei betont Nagle: Zwar sei die Luxuszielgruppe nicht per se preissensibel, aber in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit könne auch sie ihre Konsumlaune zügeln – etwa durch den sogenannten negativen Vermögenseffekt, wenn Aktien oder Immobilienwerte unter Druck geraten.
Auch UBS warnte vor einer Abwärtsrevision der Prognosen und sprach von steigenden Liquiditätsrisiken, angesichts der 2 Mrd. USD Schulden, die bis 2028 refinanziert werden müssen.
CEO bleibt gelassen – Markt nicht
Konzernchef Gary Friedman zeigte sich auf der Analystenkonferenz unbeeindruckt:
"Alle großen Anbieter in unserem Segment fertigen in Asien. Das gilt nicht nur für uns. Das Spielfeld ist für alle gleich."
Er betonte, RH habe in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, auch in herausfordernden Zeiten innovativ und widerstandsfähig zu sein.
Doch der Kapitalmarkt reagierte anders: Dass die neuen Zölle in der Jahresprognose überhaupt nicht berücksichtigt wurden, werteten viele Anleger als realitätsfern. Die Folge: ein dramatischer Kursverfall – und die Sorge, dass RH den strategischen Risiken zu spät begegnet.
Fazit: Auch Luxus ist nicht immun
RH galt lange als Erfolgsmodell im US-Luxussegment – mit treuer, vermögender Kundschaft und hoher Preissetzungsmacht. Doch die aktuellen Entwicklungen zeigen: Auch Premiummarken sind nicht vor geopolitischen und konjunkturellen Risiken geschützt.
Nicht der Preis selbst steht zur Debatte – sondern die Stimmungslage, in der er bewertet wird. Und die ist derzeit so düster wie der RH-Kursverlauf.